Besser als gute Vorsätze

Mit den Vorsätzen für das neue Jahr ist das so eine Sache. Sich etwas vorzunehmen und Ziele zu stecken ist gut. Trotzdem sollten wir uns fragen, wie weit die guten Absichten gehen müssen.

Unsere Vorsätze für das neue Jahr haben immer etwas mit Optimierung zu tun – und zwar von uns selbst. Wir suchen etwas an uns und unserer Lebensweise, das wir noch verbessern können. Endlich gesünder essen, früher schlafen gehen, mehr Sport treiben, die Dinge endlich anpacken.

Wahrscheinlich fällt uns gleich ein ganzer Haufen ein, den wir an uns vervollkommnen können. Und genau diesen Haufen, der uns da gleich in den Sinn kommt, finde ich bedenklich. Denn er erzeugt den Eindruck, dass wir erst dann ankommen könnten, wenn wir ihn abgearbeitet hätten.

Dann, wenn wir endlich bessere Versionen von uns selbst wären. Nach der nächsten Diät, wenn wir unsere Traumfigur haben. Nach dem nächsten Tattoo, wenn das richtige Motiv auf unserer Haut prangt. Nach der nächsten Reise, wenn wir da sind, wo wir immer hin wollten. Dann könnten wir endlich glücklich sein mit uns selbst.

Aber seien wir uns ehrlich, ein Ankommen gibt es so nicht. Das Leben im Moment dient dann nur zur Planung des späteren Glücks. Das Glücklichsein wird auf später verschoben, wenn wir besser, schöner, optimierter sind.

Ein Ende der Selbstoptimierungsliste ist nicht in Sicht, denn leider bekommen wir ja auch ständig das Gefühl vermittelt, wir wären nicht genug, da ginge noch mehr, da wäre noch etwas drin. Wir sind unser eigenes Hornbach Projekt bei dem es immer was zu tun gibt.

Und es ist ja auch gut so, dass wir uns immer weiter entwickeln wollen – aber nicht auf Kosten des Hier und Jetzt.

Also anstatt dieses Jahr Vorsätze zu schmieden, könnten wir auch einfach einmal da glücklich sein, wo wir gerade sind. Glücklich in unserer Unvollkommenheit. Dankbar für alles, was wir schon sind.

Sehen wir uns einmal nicht auf dem Weg zur Perfektion, sondern akzeptieren uns mit unseren Schwächen, unseren Versuchen, unseren Fehlschlägen.

Denn ich glaube, wenn wir uns wirklich annehmen, da wo wir gerade sind, dann können wir uns ehrlich entscheiden, wo wir eigentlich hinwollen.

Und das ganz ohne gute Vorsätze.

Gutes Neues 🙂

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