Die Bali Experience

Wer war eigentlich noch nicht auf Bali? Gefühlt war ich bis vor kurzem so ziemlich die einzige unter meinen Freunden und Bekannten, die noch nicht den perfekten Wellen und hippen Cafés der tropischen Insel gefrönt hat. Ob das vermeintliche Paradies für Surfer, Yogis und Instagrammer wirklich hält, was es verspricht, habe ich mir die letzten 3 Wochen angeschaut.

Ein Traum für viele

Die indonesische Insel Bali ist hierzulande untrennbar mit Aussteiger-Phantasien und Urlaubsträumen verbunden. In sozialen Medien stolpert man beinahe täglich über Beiträge von Traumstränden, Reisfeldern und Smoothie Bowls. Klar also, dass Bali immer mehr Urlauber, unter anderem ja auch mich, anlockt.

Dass die Insel mittlerweile unter den Top Urlaubszielen der Welt rangiert, merkt man, einmal angekommen, sofort. Vor allem der Süden Balis ist von Touristen aus Europa, Australien und Japan bevölkert. Wer hier nach einem einsamen Strand sucht, wird ihn in der Gegend von Kuta und Seminyak nicht finden.

Auf den Straßen, am Strand und im Wasser ist einiges los –  je weiter im Süden desto voller und anstrengender wird es. Nicht umsonst wird diese Gegend auch Ballermann der Australier genannt. Wenn man sich aber darauf einstellt und diese Gebiete von vornherein meidet, kann man relativ gut damit leben.

Hip, hipper, Canggu

Canggu ist der wahrscheinlich hippeste Ort auf Bali und war unsere Homebase für viele Tage. Den westlichen Standard des kleinen Küstenortes schätzen nicht nur Urlauber, sondern auch Auswanderer.

Hier sind vegane Cafés, fancy Modeboutiquen und Concept Stores schon längst angekommen. An  jeder Ecke findet man perfekt gestylte Lokale, deren Speisen so instagrammable drapiert sind, dass nahezu jeder Gast das Handy zückt. Neon Signs und Insta Walls muss man nicht lange suchen – Canggu bietet die Szenerie, nach der sich Instagram Herzen sehnen.

Diese Welt verlässt man aber ganz schnell wieder, wenn man einen Blick hinter das Lokal wirft oder im Restaurant zu nahe am Kanal sitzt. Dann findet man nämlich Müllberge und üble Gerüche vor. Ja, auch das hippe Canggu ist vor dem allgegenwärtigen Müllproblem auf Bali nicht gefeit. Sein bekannter Old Man’s Beach ist nicht nur voll mit Surfern, auch Abfälle am Strand und im Wasser gehören zum gewohnten Bild.

Canggu ist definitiv eine eigene kleine Bubble – das authentische Bali ist es aber sicher nicht. Wer westlichen Komfort und ein wenig Abwechslung zu Nasi Goreng haben will, ist hier aber an der richtigen Adresse. Foodies werden diesen Ort lieben und mit 3-6 Euro pro Speise kann man es sich richtig gut gehen lassen. (Übrigens hatte nur der vegetarische Teil unserer Gruppe keinen Bali Belly – wer also auf Nummer sicher gehen will, könnte auf Fleisch verzichten).

Wer das Verwöhn Programm noch weiter treiben will, kann sich in einem der zahlreichen SPAs verwöhnen lassen. Wir haben uns fast alle zwei Tage eine Massage gegönnt. Dafür bezahlt man meist auch nicht mehr als 6 Euro pro Stunde. Ich gebe zu, diese Sonderbehandlungen vermisse ich jetzt schon.

Die Wellen & wir

Auf der Bucket List für diese Reise standen nicht nur Smoothie Bowls und Massagen, vor allem unsere Surf Skills wollten wir auf Bali gründlich aufpolieren. Die ersten Tage wurden deshalb gleich dem Surfen verschrieben.

Wer noch kein eigenes Surfboard hat, kann sich überall am Strand für ca. 3 Euro pro Stunde ein Board ausleihen – von Soft Tops über Hard Tops zu Shortboards – der Zustand der Bretter war jedes Mal völlig ok. Den Surf Coach gibt es, wenn man will, für ca. 6 Euro pro Stunde dazu.

Bitch breaks

Der naheliegende Old Man’s Beach in Canggu war für die erste Session des Urlaubs leider keine gute Wahl, da völlig überfüllt. Es war das erste und letzte Mal, dass wir dort ins Wasser sind. Deutlich angenehmer waren die Spots Berawa und Ku De Ta – beide in Richtung Seminyak.

Grundsätzlich waren die Surfbedingungen für uns Beginner/Intermediates zu der Zeit nicht optimal, da uns die Wellen oft wortwörtlich über den Kopf gewachsen sind.  Ich hätte mir leichtere Beach Breaks erwartet, da ich zuvor schon von den perfekten Surf Spots für alle Levels gelesen hatte. Stattdessen hatten wir es zumindest zu dieser Zeit mit ziemlich viel Swell zu tun.

In Berawa, wo ich mich, aus mir noch immer unerfindlichen Gründen, an einem relativ anspruchsvollen Tag ins Line-Up hinaus gewagt habe, hatte ich eine lustige Begegnung mit einem indonesischen Surfer. Er saß neben mir und meinte plötzlich zu mir „Uh, big wave is coming. Save your life.“ – sehr beruhigend. Am gleichen Tag wurde mir dort tatsächlich ein halber Tisch um die Beine gespült. Ziemlich verärgert habe ich ihn aus dem Wasser gefischt und an den Strand geworfen. Nur um später zu sehen, dass ihn die Flut wieder mit ins Meer genommen hat. Wenn nicht gerade Möbelstücke im Wasser schwimmen, ist es aber ein wirklich empfehlenswerter Spot.

Beautiful Bukit

Balis tatsächliches Surfer‘s Paradise haben wir schließlich auf der Halbinsel Bukit gefunden. Sie ist von Riffen umgeben, die für schöne Reef Breaks sorgen. Durch ihre beeindruckenden Steilküsten und ihr klares Wasser ist die Gegend rund um Uluwatu auch ohne Surfen einen Besuch wert. Die Cafés an der Steilküste laden dazu ein die Pros im Wasser zu bestaunen.

Wer dort als Anfänger einen Riff surfen will, sollte sich aber unbedingt vorher informieren und nicht blauäugig ins Wasser gehen. Es sieht bei den Pros leider immer sehr viel leichter aus, als es ist. Der Wasserstand kann gefährlich niedrig werden und zu einer unangenehmen Begegnung mit dem Riff führen (ja, das musste ich ebenfalls lernen, autsch).

Was ich am Surfen in tropischem Wasser trotzdem liebe, ist die Tatsache, dass es mich nie Überwindung kostet ins Wasser zu gehen. Das Wasser ist warm genug, um in Bikini und Shirt einfach los zu starten. Ich musste mir keine Sorgen über Haie im Wasser machen (Angriffe gibt es dort quasi kaum) und wenn ich noch dazu einen coolen Sommer Wetsuit anziehen kann, bin ich sowieso happy.

Da wir zum Surfen später noch auf die benachbarte Insel Lombok gereist sind, wird es auch dazu noch ein paar Zeilen geben. So viel kann ich aber jetzt schon verraten – Pro Surferin werde ich in diesem Leben wohl keine mehr.

Ubud – Affen, Yoga und Reis

Obwohl die eingefleischten Surfer unserer Truppe nicht so begeistert von zwei surflosen Tagen waren, haben wir uns zur Halbzeit auf den Weg nach Ubud im Landesinneren gemacht. Glücklicherweise konnten wir unser Reisegepäck bei einem Bekannten zurücklassen und uns mit leichtem Gepäck aufs Moped schwingen.

In Ubud angekommen wurde uns erst klar, dass wir unwissentlich den AirBnB Checkpot geknackt hatten. Mit ungläubigen Gesichtern haben wir dort ein traumhaftes Anwesen mit perfektem Reisfeldblick bezogen.

Zu den Unterkünften auf Bali ist überhaupt zu sagen, dass man als größere Gruppe das bessere Preis/Leistungsverhältnis bekommt. Zu sechst konnten wir uns ganze Villen mit mehreren Badezimmern inklusive Garten und Pool gut leisten. Wer also noch ein paar Freunde einpacken kann, sollte es sich nicht zwei Mal überlegen. Abgesehen davon hat man viel Spaß mit Leuten, die sich vor Insekten oder Geckos fürchten.

Affen am Abend

Als Abendprogramm in Ubud stand für uns noch der Besuch im Affenwald auf dem Plan. Hunderte Affen leben dort frei auf einem Areal, das man in ca. 1 Stunde abspazieren kann.  Ich finde Affen immer unglaublich spannend zu beobachten, halte aber lieber auch ein bisschen Sicherheitsabstand. Die kleinen Tiere sind blitzschnell und riechen sofort, ob Nahrung zu holen ist. Im Monkey Forest kann man sich zwar auch über respektlose Besucher ärgern, ist für mich aber definitiv den Besuch wert.

Die Reisterrassendebatte

Dass bei unserem Ubud Kurztrip keine Zeit für eine Yoga Lesson oder einen Sonnenaufgang in der Reisterrasse blieb, konnte unsere traumhafte Unterkunft wieder wettmachen. Den Sonnenaufgang über unserem persönlichen Reisfeld habe ich kurzerhand von unserem Balkon aus bestaunt und die morgendliche Yoga Session wurde einfach in den Garten verlegt. WIN-WIN.

Nach der obligatorischen Frühstücks Bowl beschlossen wir (nicht ganz einstimmig) die berühmte Reisterrasse Tegalalang, etwa 40 Minuten nördlich von Ubud, auszulassen und ein wenig durch Ubuds hauseigene Reisterrassen zu spazieren. Gut, ich kann nachvollziehen, dass Reisfelder nicht für alle Menschen gleich spannend sind. Und da wir es auch schon mit der Mittagshitze zu tun hatten, war das Reisfeld Thema relativ bald abgehakt.

Wasserfälle & Gewissensbisse

Also ging es auf zum bekannten Wasserfall Tegenungan, der mehr oder weniger am Weg nach Hause lag. Am Weg dorthin hatte ich das Gefühl, dass wir tatsächlich ein Stück authentisches Bali zu sehen bekommen haben. Es ging durch flache Gegenden mit satt-grünen Reisfeldern und vereinzelten Häusern, hier und da wieder ein Dorf mit Geschäften und kleinen Lokalen. Auf der Strecke sind uns auch plötzlich Kokosnüsse entgegen gerollt gekommen, die ein voll beladenes Auto, mit mindestens fünf Kindern an Board, verloren hatte. Die fröhlichen Kinder waren sehr dankbar, als wir ihnen halfen, ein paar davon zurück zum Auto bringen. Als Passagierin am Moped habe ich diese und ähnliche Fahrten jedenfalls unglaublich genossen.

Aber zurück zum Wasserfall. Der Besuch des Tegenungan Wasserfalls war für mich eine der einschneidenden Erfahrungen auf Bali. Wie ich schon in Reviews zuvor gelesen hatte, ist das Naturwunder ein Besuchermagnet. Ähnlich wie bei anderen Attraktionen auf Bali, säumen Shops und Restaurants den Eingangsbereich, bis es die steilen Stufen hinunter zum Wasserfall geht, wo zunächst wieder ein paar Shops und Stände zu finden sind. Die Besucher folgen brav einem schmalen Pfad Richtung Wasserfall, im Fluss schwimmen ein paar Plastik Abfälle.

Unsere Badepläne lösten sich im braunen Wasser vor Ort erst einmal auf, da sich schon genug Leute im Wasser tummelten. Obwohl der Wasserfall sehr beeindruckend aussah, saßen wir erst einmal etwas geplättet auf einer Bank und beobachteten das Treiben. Zum Baden hat es trotz Hitze nicht wirklich eingeladen.

Schließlich beschlossen wir die steilen Stufen neben dem Wasserfall hinaufzusteigen, um das Ganze von oben zu begutachten. Hier mussten wir zusätzlich zum Eintritt noch einmal bezahlen, um Zutritt zur höheren Etage zu bekommen (ja, kurz genervte Blicke ausgetauscht). Oben angekommen gibt es in den Fels gebaute Clubs mit Swimmingpools und eine riesige Schaukel, mit der man hoch über dem Wasserfall in den Dschungel hinein schwingen kann. Ähnliche Schaukeln sind in und um Ubud überhaupt gerade der Renner. Wer hier schaukeln möchte, muss aber ca. 25-30 Euro bezahlen und auch mit Wartezeiten rechnen. Ich, für meinen Teil, schaukle lieber umsonst.

Noch lange habe ich über den Wasserfall nachgedacht. Vor allem darüber, ob ich es ok finde, wie er für den Tourismus ausgeschlachtet wird. Einerseits frag ich mich, ob der Zugang beschränkt werden soll und wenn ja, auf wen. Andererseits bin ich selbst eine dieser Touristinnen, die dort war, um sich daran zu erfreuen. Wie an vielen schönen Orten, vor allem auf Bali, ist man nicht alleine. Die anderen wollen dort verständlicherweise ebenfalls hin. Also vielleicht gilt es auch zu akzeptieren, dass man schöne Orte teilen muss? Zu einem richtigen Schluss bin ich offensichtlich immer noch nicht gekommen.

Was von Bali bleibt

Wer also nach Bali reist kann sich durchaus auf tropische Strände, hippe Leute, gute Wellen und tolles Essen einstellen. Allerdings muss einem bewusst sein, dass die tropischen Strände je nach Strömung mit Plastik und Opfergaben übersät sind, man eine von sehr vielen hippen Personen ist, und die guten Wellen demnach auch mit vielen Surfern teilen muss.

In der Luft liegt des Öfteren ein Geruch aus Räucherstäbchen, Abwasser und Abgasen. Außerdem kann einem die eine oder andere skurrile Szene passieren, wie zum Beispiel, dass man mit dem Moped in eine zu niedrig hängende Stromleitung einfädelt (ja, auch das ist tatsächlich so passiert).

Was ich damit sagen will, ist nicht, dass wir keine schöne Zeit auf Bali hatten (im Gegenteil), sondern, dass man nicht mit falschen Erwartungen ins vermeintliche Paradies fliegen sollte.

Dank Horrorgeschichten von Freund und Freunden war ich schon auf die Umstände eingestellt und bin sogar positiv überrascht worden. Wenn man also weiß, dass auf dieser Reise sicher nicht alles perfekt sein wird, kann man die Dinge sicher lockerer nehmen und schließlich den Urlaub mehr genießen.

Wie sieht es mit euren Bali Erfahrungen aus? Vielleicht habt ihr Einiges davon anders wahrgenommen? Würdet ihr Bali nochmal bereisen?

2 thoughts on “Die Bali Experience

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