Bali oder Lombok?

Wer auf die Touristeninsel Bali keine Lust hat, kann auf die Nachbarinsel Lombok und die vorgelagerten Gili Islands ausweichen. Welche Insel mehr zu bieten hat und ob Lombok tatsächlich das bessere Bali ist, haben wir für 10 Tage getestet.

Wie schon im Bali Blogpost erwähnt, hat uns unsere Indonesien Reise auch auf die benachbarte Insel Lombok geführt. Lombok genießt mittlerweile den Ruf das weniger überfüllte Bali zu sein und lockt mit einsamen Stränden und wunderbaren Surfspots. Grund genug also, sich die nahegelegene Insel einmal näher anzusehen.

Von Bali nach Lombok

Trotz anfänglicher Verunsicherung, ob wir auf Lombok reisen sollten, haben wir uns entschlossen den Flug anzutreten. Die Insel war vor wenigen Wochen von mehreren schweren Erdbeben erschüttert worden und hatte viele Opfer zu beklagen. Deshalb haben wir uns zuvor auf Bali umgehört und in Erfahrung gebracht, dass unser Reiseziel im Süden Lomboks unversehrt geblieben war. Auch, dass die Bevölkerung dort sehr unter dem ausfallenden Tourismus leiden würde. Mit einem doch mulmigen Gefühl, machten wir uns also zu zweit auf den Weg nach Lombok.

Die sehr günstigen Flüge gehen mehrmals täglich von Bali nach Lombok und mit einer halben Stunde Flugzeit war die Reise wirklich ein Katzensprung. Sogar Surfbretter hat unsere Airline kostenfrei mitgenommen. Im  Gegensatz zur Fähre, landet man außerdem mit dem Flugzeug nur eine Auto-Stunde entfernt von den bekannten Surfstränden. Wer also zum Surfen von Bali nach Lombok reist, sollte sich unbedingt überlegen das Flugzeug zu nehmen.

Die Geisterinsel

Das Ankommen auf Lombok war ähnlich anstrengend wie auf Bali. Sofort wurden wir von dutzenden Taxi Fahrern belagert, die uns eine Fahrt anbieten wollten. Da es unmöglich war im Gewusel unseren GO-Jek Fahrer (indonesische Version von Uber) zu finden, haben wir kurzerhand eines der Taxis in Richtung Kuta genommen.

Doch kaum hatten wir das Flughafen Areal verlassen,  bekamen wir ein ganz anderes Bild. Im Vergleich zu Bali wirkte Lombok wie eine Geisterinsel. Von den vielen Mopeds oder überhaupt von anderen Menschen war nicht viel zu sehen. Die Landschaft war trocken und kahl, ähnlich wie in Süd-Kalifornien oder Portugal. In den ersten Minuten im Taxi dachte ich wirklich: wo sind wir hier gelandet?

Kuta Lombok

Fruit-market-Lombok

Das Bild änderte sich etwas im Touristenort Kuta (ja, heißt gleich wie auf Bali), wo wir ein Hotel für die nächsten fünf Tage bezogen. Der kleine Ort ist umgeben von Surfspots und wirkt ein bisschen wie das Canggu von Lombok. Er ist lange nicht so hip wie die Bali Version, in Ansätzen findet man aber die gleichen Dinge – Hotels, internationale Restaurants und Shops. Der Tourismus steckt hier allerdings noch in den Kinderschuhen. Die Straßen sind holpriger, die Lokale einfacher, der Flair einheimischer.

Und obwohl hier etwas mehr los war, merkten wir die fehlenden TouristInnen an allen Ecken und Enden. Der Großteil der Restaurants war leer und es tat mir jeden Abend leid, dass wir nicht überall essen konnten. Abends im Restaurant kamen immer wieder kleine Kinder zu unserem Tisch, um uns Armbänder zu verkaufen (falls jemand eines möchte, wir haben noch!). An den menschenleeren Stränden versuchten uns VerkäuferInnen um jeden Preis Tücher, Mais, Ananas oder Eis anzudrehen.

Lombok fühlte sich also erst einmal an, wie das krasse Gegenteil von Bali. Statt dichtem Verkehr, leere Straßen. Statt voller Strände, einsame Buchten. Statt tropischer Vegetation, braune Hügel. Statt Hindu Tempel, Moscheen und Minarette.

Ein Mal Riff und zurück

Lombok-Surfing-Nia-Outdoors

Was sich auf der einen Seite komisch anfühlte, war auf der anderen Seite angenehm. Wir hatten die weißen Sandstrände mit türkis-blauem Meer quasi für uns alleine.

Wo sollte man aber in diesem ruhigen, seichten Wasser surfen? Schließlich waren wir ja hauptsächlich dafür gekommen. Die Antwort lag etwas weiter draußen am Meer. Denn private Boote bringen hier Surfer zu perfekten Point Breaks aufs Meer hinaus.

Für ca. 7 Euro fährt ein Motorboot zu den Spots, die ungefähr 10 Bootsminuten vom Hafen entfernt liegen. Der Kapitän ankert dort und wartet bis die Surfsession beendet ist – Surfen deluxe sozusagen. Vom Hafen in Gerupuk kann man sogar drei verschiedene Spots mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ansteuern.

Wer seine Surfskills ausbauen oder Surfen lernen will, findet hier die besten Bedingungen. Sobald man eine Welle gesurft ist, paddelt man auf die Seite hinaus und kommt ungestört wieder zurück zum Lineup, ohne von nachkommenden Wellen verwaschen zu werden.  Es soll zwar auch ein paar große Steine unter der Wasseroberfläche geben, leicht berührt habe ich das Riff aber nur ein, zwei Mal.

Wenn man zwei Mal pro Tag rausfahren möchte und, wie wir, nur zu zweit ist, geht das Surfen mit der Zeit dort etwas ins Geld.  Als wir aber versuchten uns im Hafen mit anderen Surfern zusammen zu tun, um ein Boot zu teilen,  wurden die Kapitäne sehr unangenehm. Die Hafen Community dort ist, wie die Taxi Community auf Bali, eine eingeschworene Gemeinschaft. Ihr Geschäft wollen sie sich auf keinen Fall kaputt machen lassen.

Endlich wieder grün

IMG_7298

Da wir (naja, hauptsächlich ich) nicht jeden Tag nur surfen wollten, ging es für einen Tagesausflug ins Landesinnere. Wir steuerten den Wasserfall Air Terjun und die umliegenden Reisfelder von Tetebatu am Fuße des Mount Rinjani an.

Die Moped Fahrt dorthin war für mich sicher eines der größten Abenteuer der Reise. Google Maps hat uns über schmalle Feldwege und unwegsame Schotterstraßen zu unserem Ziel geleitet. Am Weg haben uns immer wieder einheimische Kinder und Erwachsene zugerufen und gewinkt. Scheinbar war unsere Durchreise für sie genauso spannend, wie für uns.

Je weiter wir in Richtung Wasserfall kamen, desto grüner und tropischer wurde die Umgebung. Die vertrauten Reisfelder tauchten wieder auf und machten die Gegend gleich weniger fremd. Rund um den Ort Tetebatu sind wir durch tolle Reisterassen gefahren, die Bali’s bekannten Reisfeldern durchaus Konkurrenz machen.

Tetebatu-LombokAm Eingang zum Nationalpark Mount Rinjani angekommen, waren wir wieder einmal alleine, andere BesucherInnnen waren nicht in Sicht. Zu unserer Überraschung fanden wir dort ein Ticket Office vor, wo wir Eintritt und einen Guide bezahlen mussten (angeblich dürfen TouristInnen nicht ohne Guide zum Wasserfall). Im Nachhinein betrachtet war der Guide jedenfalls eher unnötig, da wir auch so gut den Weg gefunden hätten.

Nach 15 Minuten Fußweg durch den Dschungel standen wir dann vor dem steil abfallenden Wasserfall, der zu dieser Zeit nicht viel Wasser führte. Ein paar Bilder später war unser Ausflug auch schon wieder beendet und wir machten uns auf den Rückweg.

Waterfall-Lombok-Nia-Outdoors

Ich nehme an, dass der Wasserfall im Normalfall mehr Besucher anzieht, aber sicher nicht die Massen, die man auf Bali an ähnlichen Plätzen vorfindet. Lombok war diesbezüglich also sehr viel angenehmer zu bereisen als Bali.

Die 2-Tages Tour auf den 3726 Meter hohen Mount Rinjani haben wir leider auslassen müssen, da die Situation nach dem Erdbeben noch zu unsicher war. Trotzdem war der kleine Einblick, den wir im Rinjani Nationalpark bekommen haben, sehr beeindruckend.

Party im Paradies

Bali-seen-from-Gili-T

Die drei Tropeninseln Gili Islands gehören ebenfalls zu Lombok. Sie sind bekannt für ihr paradiesisches Flair und waren eines der letzten Ziele, das wir in Indonesien ansteuerten. Auch hier wussten wir anfangs nicht, wie die Lage nach dem Erdbeben sein würde. Die Gilis waren nach dem Beben sogar für einige Wochen geschlossen und erst seit wenigen Tagen wieder geöffnet.

Da zwei Freunde unserer Truppe schon ein paar Tage vorher angereist waren, konnten wir beruhigt das Boot auf Gili T nehmen. Wir entschieden uns für die Partyinsel Gili Trawangan, weil dort mit Abstand am meisten Hotels und Lokale wieder geöffnet hatten. Die Insel war sogar erstaunlich gut besucht. RadfahrerInnen, Pferdekutschen und FußgängerInnen trieben sich durch die Straßen (motorisierte Fortbewegungsmittel gibt es hier nicht).

Kaum auf der kleinen Insel angekommen, gingen wir auf Entdeckungstour mit dem Schnorchel. Die weißen Strände werden von kristallklarem Wasser umgeben. Die Raffaelo Werbung könnte möglicherweise hier gedreht worden sein. Die Unterwasserwelt auf Gili T war genauso umwerfend. Noch nie hatte ich so viele Korallen, farbenfrohe Fische und Schildkröten auf einem Riff gesehen. Nemo & co lassen grüßen.

Die Schäden des Erdbebens bekamen wir erst zu sehen, als wir eine Radtour um die kleine Insel machten. Die nordwestliche Hälfte der Insel lag zu großen Teilen noch in Trümmern. Unversehrte Lokale, die wieder geöffnet hatten, waren meist leer und kämpften um BesucherInnen. Das verrückte Nachtleben auf Gili T war trotzdem schon wieder in vollem Gange. Dem haben wir uns aber eigentlich eher entzogen und verbrachten einfach ein paar entspannte Tage im Paradies.

Ich glaube, dass sich so manche Bali TouristInnen unter Bali vorstellen, was man auf den Gilis findet – Bilderbuch Strände, klares Wasser und langsames Island Life. Wer sich also nach einem ruhigen Strandurlaub sehnt, sollte ein Boot auf die Gilis nehmen.

Bali oder Lombok?

Wenn man die beiden Inseln vergleicht, kann Lombok in einigen Aspekten punkten. Die Insel ist am Land und im Wasser unberührter, leerer und sauberer. SonnenanbeterInnen können ungestörte Stunden im feinen Sand verbringen, SurferInnen perfekte Wellen reiten und AbenteurerInnen unberührte Winkel der Insel erkunden.

Für mich persönlich ist der Sieger dieses Vergleichs trotzdem Bali. Obwohl Lombok in vielen Punkten beeindrucken kann, fühlte ich mich in Balis freundlicher Hindu Kultur besser aufgehoben. Objektiv gesehen mag Lombok die schönere Insel gewesen sein, Bali war vom Gefühl her trotzdem einladender.

Empfehlen kann ich deshalb nur beiden Inseln eine Chance zu geben 🙂

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