1 Jahr nach der Pille – was sich für mich verändert hat

Wow, ziemlich genau ein Jahr ist es nun her, dass ich beschlossen habe, die Pille nicht mehr zu nehmen. Das klingt nach einer ziemlich langen Zeit, aber die Folgen dieser Entscheidung spüre ich heute noch jeden Tag. Deshalb dachte ich mir – Zeit für einen etwas anderen Beitrag hier.

Auf die Idee für diesen Blogbeitrag hat mich eigentlich meine Schwester gebracht. Mit ihr teile ich so gut wie alles in meinem Leben und da mich dieses Thema nun schon ein ganzes Jahr begleitet, meinte sie, meine Erfahrungen könnten für die eine oder andere von euch interessant sein.

Natürlich habe ich überlegt, ob ich so offen über diese sehr persönlichen Veränderungen schreiben soll. Letztendlich finde ich es aber richtig, daraus kein Tabu Thema zu machen und womöglich helfen meine Erfahrungen tatsächlich einer von euch, die in einer ähnlichen Situation steckt.

Trotzdem gleich ein Disclaimer voraus: ich kann hier nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen und keine allgemein gültigen Aussagen treffen.

Warum mit der Pille aufhören?

Die Entscheidung die Pille abzusetzen, fiel bei mir relativ schnell, als sich plötzlich ein Schalter in meinem Kopf umgelegt hat. Nach jahrelanger, völlig unhinterfragter Einnahme war ich mir auf einmal nicht mehr sicher, warum ich jeden Tag Hormone zu mir nehmen und mit ihren möglichen Konsequenzen leben sollte.  Zu der Zeit hatte ich gelesen, dass die Pille vor allem bei Frauen ab 30 ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien, Thrombosen etc. verursacht. Und so hatte ich plötzlich das Gefühl: Ende 20 ist die beste Zeit damit aufzuhören und zu einem natürlicheren Körperbewusstsein zurückzufinden.

Meine Frauenärztin hat mir damals geraten die Pille nicht abzusetzen. Sie meinte ich brauche mir keine Sorgen zu machen, wenn ich sie bisher gut vertragen hätte. Auch, dass die heutigen Pillen schon so niedrig dosiert seien, dass die Nebenwirkungen sehr gering sind. Trotzdem – mein Entschluss war gefasst – ich wollte wieder hormonfrei leben. Schließlich wusste ich gar nicht mehr, wie sich das eigentlich anfühlte.

Bye bye Pille – und dann lange nichts

Dass die Pille mehr mit uns macht, als nur eine Schwangerschaft zu verhindern, ist mir heute klarer denn je. Denn bis heute hat mein Körper noch nicht ganz in sein natürliches Gleichgewicht zurückgefunden.

Für mich war die Einnahme nie wirklich mit Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme oder anderen Nebenwirkungen verbunden. Von daher war die Pille für mich immer ein sehr unauffälliger Begleiter, der wie bei vielen Mädchen und Frauen seit der Pubertät einfach zum Alltag gehört hat. Wie groß ihr Einfluss auf meinen Körper wirklich war, zeigte sich für mich erst Wochen und Monate später.

Denn zu einem regelmäßigen Zyklus zurückzukehren, ist für den Körper gar nicht so einfach, wie man es vielleicht aus Erzählungen von Frauen kennt, die gleich nach dem Absetzen der Pille schwanger werden. Zumindest in meinem Fall hat es viele Monate gedauert, bis mein Körper wieder angefangen hat die Zyklus-steuernden Hormone selbst zu produzieren.

Zurück zur Normalität – eine Achterbahn Fahrt

Dass ein regelmäßiger Zyklus nach dem Absetzen der Pille nicht direkt zu erwarten war, wusste ich schon. Deshalb war ich nicht verwundert, dass meine Tage erst einmal ausgeblieben sind. So sind einige Wochen vergangen, dann Monate und schließlich sogar ein halbes Jahr. Meine Frauenärztin hat mir also die sogenannte Post-Pill-Amenorrhoe diagnostiziert – das Ausbleiben der Periode im Zusammenhang mit dem Absetzen von hormonellen Verhütungsmitteln. Sie hat mir pflanzlichen Mönchspfeffer verschrieben, von dem ich tatsächlich glaube, dass er meinen Hormonhaushalt am Ende wieder ins Gleichgewicht gebracht hat.

Natürlich habe ich mir in dieser Zeit immer wieder Sorgen gemacht, ob sich alles wieder einpendeln würde. Ehrlicherweise habe ich auch den einen oder anderen Schwangerschaftstests gemacht, denn manchmal hat mich dann doch die Angst gepackt, dass ich ungeplant schwanger sein könnte. Alles in allem waren diese ersten Monate also ziemlich unsichere Zeiten und ich hatte oft ein komisches Gefühl dabei, nicht zu wissen, was in meinem Körper gerade vorgeht.

Die sichtbarste Veränderung: meine Haut

Das Hormonchaos hatte dann nach 3-4 Monaten vor allem eine sichtbare Folge: Akne. Da ich mein Leben lang immer schöne Haut hatte, auch dank der Pille, habe ich unter dieser Nachwirkung am meisten gelitten. Alle Gesichtsmasken, Pickelstifte und grünen Smoothies der Welt haben nicht geholfen die lästigen Pickel loszuwerden. So hatte ich mir mein Aussehen mit Ende 20 sicher nicht vorgestellt – mein Gesicht war plötzlich verpickelt wie bei einem Teenager, oder sogar noch schlimmer, denn als Teenager hatte ich ja nicht einmal Pickel.

Die schlechte Haut hat mich jedenfalls einige Nerven gekostet und in schwachen Momenten habe ich sogar überlegt, einfach wieder mit der Pille anzufangen, um mein reines Hautbild wieder zu bekommen. Das wäre natürlich totaler Blödsinn gewesen, da es für den Körper schon wieder eine hormonelle Umstellung bedeutet hätte.

Schließlich hat mir mein Hautarzt leichte Antibiotika verschrieben, die ich heute noch täglich nehme, um meine Haut wieder in den Griff zu bekommen. Denn, wenn Hormone im Spiel sind, kommt man mit den üblichen „Hausmittelchen“ gegen Pickel leider wirklich nicht weit – so zumindest meine Erfahrung. Von der Pille auf Antibiotika zu wechseln ist zwar auch alles andere als optimal, aber da ich jetzt bei der letzten Packung angekommen bin, hoffe ich, dass auch dieses Thema bald abgeschlossen sein wird.

Was ich sonst noch bemerkt habe

Nicht nur meine Haut, auch meine Haare haben sich leider erst einmal zum Schlechteren verändert – sie sind definitiv schlapper und dünner geworden. Es fällt glücklicherweise nicht so sehr auf, aber mein Frisör hat mir vor zwei Wochen erst gezeigt, dass ich viele kleine Nachwuchs-Strähnen von 3-4 Zentimetern habe. Das bedeutet zwar, dass die Haare jetzt wieder gut nachkommen, aber, dass ich doch einige verloren habe.

Ansonsten hat sich mein allgemeines Wohlbefinden aber durchaus zum Positiven gewendet. Obwohl ich auch vorher ein relativ glücklicher Mensch war, habe ich tatsächlich das Gefühl, dass meine Stimmung etwas stabiler geworden ist. Es mag vielleicht merkwürdig klingen, aber ohne die Pille fühle ich mich auch emotional freier und irgendwie echter.

Das Fazit: 1 Jahr nach der Pille

Ein Zuckerschlecken war das Absetzen der Pille jedenfalls weder physisch noch psychisch. Nach einem dreiviertel Jahr ist wieder ein normaler Zyklus eingekehrt, meine Haut hat dank Antibiotika die Kurve gekriegt und meine Haare erholen sich langsam. Um ehrlich zu sein, hätte ich vor einem Jahr nicht damit gerechnet, dass mein Körper so ins Chaos geraten würde.

Schließlich durfte ich meinen Körper aber besser kennenlernen und habe ein besseres Körpergefühl bekommen. Dabei hat mir vor allem auch mein Basalthermometer geholfen, das ich seit dem Absetzen der Pille verwende, um meinen Zyklus zu verfolgen und Körpersignale zu verstehen.

Obwohl es eine große Umstellung für mich und meinen Körper war und ich zwischendurch Zweifel hatte, würde ich die Entscheidung mit der Pille aufzuhören wieder so treffen. Denn dieses Jahr hat mir vor allem eines klar gemacht: diese kleine, unscheinbare Pille macht ganz schön viel mit uns, ohne, dass wir uns dessen bewusst sind.

Wer mit der Pille aufhören möchte, sollte sich die Entscheidung jedenfalls gut überlegen und mit einem Arzt abklären, denn die Umstellung für den Körper ist nicht zu unterschätzen. Jede Frau muss natürlich für sich selbst abwiegen, ob die Pille das geeignete Mittel für sie ist – für mich war sie es sicher auch für viele Jahre. Heute fühle ich mich allerdings sehr gut mit der Entscheidung auf hormonelle Verhütungsmittel erst einmal zu verzichten.

Ein Kommentar zu “1 Jahr nach der Pille – was sich für mich verändert hat

  1. <3<3<3
    Sehr schöner Blogbeitrag!! Finde ich gut, dass du das teilst , geht sicher so vielen so! Und gut dass es einfach deine Erfahrungen berichtet und keine Meinung aufzwingen will! Und ich fühl mich geehrt 🙂

    Liken

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