Die Sache mit der Selbstverwirklichung

In letzter Zeit habe ich oft über meine beruflichen Ziele nachgedacht. Denn immer mehr Menschen in meinem Umfeld machen sich selbstständig, ziehen ein Business auf und machen ihr eigenes Ding. Deshalb hat mich vor allem eine Frage beschäftigt: stimmt etwas nicht mit mir, wenn ich diese Ambitionen nicht habe?

Zugegeben, die Corona Krise lässt die Selbstständigkeit gerade etwas unattraktiver wirken. Trotzdem habe ich schon länger das Gefühl, dass ich es im Leben nur dann geschafft hätte, wenn ich eine eigene Idee verwirklicht oder ein eigenes Business vorzuweisen hätte, oder wenigstens als selbstbestimmte Freelancerin arbeiten würde. Schließlich macht man das heutzutage so, wenn man einigermaßen etwas drauf hat, oder?

Aber was, wenn dieser Anspruch gar nicht zu mir und meiner Vorstellung von einem erfüllten Leben passt? Bin ich dann nicht ambitioniert oder vorausschauend genug? Habe ich einfach nicht genug Ehrgeiz, wenn ich vielleicht auf die soziale Anerkennung und den finanziellen Erfolg verzichte? Und was bedeutet es überhaupt erfolgreich im Leben zu sein?

Wann bin ich ein erfolgreicher Mensch?

In den meisten Köpfen wird Erfolg im Leben immer noch mit Erfolg in der Arbeitswelt gleichgesetzt. Schließlich definieren wir uns auch zu einem großen Teil darüber, was wir beruflich machen. Unser Wert als Mensch ist demnach stark an unsere Leistung geknüpft.

Irgendwie glaubt man ja auch nicht, dass seine seelischen Qualitäten etwas wert sind. Dazu müsste man auch erst einmal herausfinden, welche persönlichen Stärken und Fähigkeiten man hat. Und so haben wir das auch nicht beigebracht bekommen – am Ende zählen der Abschluss in der Tasche, der Job im Lebenslauf, das Gehalt auf unserem Konto und nicht, wie wir uns persönlich entwickelt haben. Zumindest fragt uns niemand danach.

Wir folgen also alle diesem Imperativ des vermeintlichen Erfolgreich-Werdens. Aber wo ist das Ende davon? Wann ist es genug? Wann bin ich genug? Und ist es nicht auch ein großer Erfolg einfach ein glücklicher Mensch zu sein?

Ein Mal Zufriedenheits-Bonus bitte

Bei all der äußeren Bestätigung, die wir für unsere Leistungen bekommen, fällt es auch schwer ihren Stellenwert zu hinterfragen. Wahrscheinlich wird es nie eine feierliche Diplomüberreichung oder einen fetten Gehaltsbonus dafür geben, dass ich glücklich und zufrieden mit mir selbst bin. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es das ist, was am Ende ein geglücktes Leben ausmacht. Nicht meine Leistungen, mein Fachwissen, mein Business, sondern die Tatsache, auch ohne diese äußeren Bestätigungen sagen zu können: ich bin ein glücklicher Mensch.

Und wenn ich nur zufrieden sein kann, wenn ich dieses oder jenes Ziel erreicht habe, dann frage ich mich, woher ich diesen Glaubenssatz habe und, ob er auch wirklich richtig für mich ist. Denn obwohl berufliche Weiterentwicklung eine absolut positive Sache ist, sollte auch das ständige Sich-verbessern-Müssen eine Grenze kennen. Und ich denke, ein bisschen mehr Gelassenheit und Bereitschaft auch einmal Leere zu ertragen, würde uns allen nicht schaden.

Wird es mich schlussendlich glücklich machen?

Jede/r bestimmt natürlich selbst, wie ein glückliches Leben für ihn/sie aussieht. Ich für meinen Teil, habe damit begonnen meine Motivation hinter Entscheidungen zu hinterfragen. Will ich etwas machen, weil ich es wollen soll, weil es mir Anerkennung bringt oder weil ich es aus tiefster Überzeugung machen möchte? Und vor allem: wird es mich schlussendlich glücklich machen?

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